18 September 2026

Eckhard ruft an: Studienreise

Eckhard ruft an: Studienreise
In der Serie "Eckhard ruft an" nehme ich meine verschiedenen Gesprächspartner auf den Arm. Meist haben sie Humor, aber manchmal auch gar kein Verständnis für meine guten Ideen und ungewöhnlichen Fragen.

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Wie schön, wenn man mit jemand telefonieren kann, der etwas zu verkaufen hat. Dann ist das Gespräch meist viel netter, als wenn man als Bittsteller daherkommt. Heute habe ich das Telefon in der Hand, um mit einem Reisebüro zu sprechen, und schon ist jemand am Apparat: „Guten Tag, das Reisebüro Ihrer Wahl mit dem Anspruch höchster Zufriedenheit. Sie sprechen mit Frau Görklein.“

„Guten Tag Frau Görklein“, sage ich in den Hörer, „ich möchte gerne eine Reise buchen.“ – „Selbstverständlich, da sind Sie bei mir genau richtig. An was haben Sie denn gedacht?“ – „An eine Studienreise. Ich möchte gerne eine Studienreise machen.“

„Großartige Idee, Studienreisen erweitern den Horizont und man kann mit hochwertigen Führungen und Freizeitangeboten daraus ein ganz besonderes Erlebnis machen. Darf ich fragen, ob Sie noch berufstätig sind oder bereits in Rente?“

„Die einen sagen so, die anderen sagen so. Wenn Sie meinen Chef fragen, dann bin ich schon in Rente, aber das stimmt natürlich nicht.“ – „Also sind sie Arbeitnehmer?“ – „Sagen wir mal so: Ich nehme mir keine Arbeit, die bekomme ich zugewiesen, also Arbeit-Nehmer passt nicht. Aber ich muss für die Studienreise Urlaub nehmen, wenn Sie das meinen.“

„Gut, gut. Dann schauen wir mal weiter. Haben Sie schon ein Reiseziel, eine Zeit, besondere Wünsche? Oder vielleicht erst mal: Haben Sie schon mal eine Studienreise gemacht?“ – „Nein, also eine richtige Studienreise habe ich noch nicht gemacht. Und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob sie mir gefallen könnte. Meist bin ich ja mit meiner Frau unterwegs, aber für diese Reise würden wir uns aufteilen. Nachher können Sie bitte schauen, wo ich meine Frau parken – pardon, zu einer Auszeit einbuchen kann.“

Ein Glucksen am anderen Ende der Leitung bestätigt mir, dass die Beraterin sich über gleich zwei neue Kunden freut. Vor ihrem inneren Auge entsteht sicherlich gerade ein Paket aus Wellness, einer Kulturreise, zahlreiche Extras und damit viel Marge.

„Was Ihre Frau angeht: Da finden wir mit Sicherheit auch eine wundervolle Option. Aber zurück zu Ihnen: Soll es eher eine Fernreise werden, exotische Kulturen vielleicht, oder lieber im nahen Ausland, mit wundervollen Sehenswürdigkeiten und reichlich Hintergrundinformationen einschließlich geschichtlichem Background?“

„Tatsächlich, Sie sagen es: nahes Ausland. Ich möchte gerne nach Pisa, dieser italienischen Stadt mit dem schiefen Turm. Geht das?“ – „Aber sicher, tatsächlich ist Pisa eine phantastische Wahl, um Studienreisen zu entdecken. Denken Sie nur an den weltweit ältesten Botanischen Garten, an die Museen und dabei insbesondere an Tuttomundo von Keith Haring. Und dann die lauschigen Plätze, diese leckeren lokalen Spezialitäten namens Cecina und – nicht zu vergessen - der hervorragende Chianti-Wein.“

„Phantastisch, Sie sagen es. Und vielleicht gibt es ja auch nette Mitreisende und Urlaubsbekanntschaften, Sie verstehen?“ – „Da bin ich sicher, unsere Reisen sind exklusiv wie unsere Gäste. Haben Sie bestimmte Vorstellungen, was Sie jedenfalls erleben möchten? Vielleicht Ausflüge in die Umgebung, Florenz sollten Sie sich nicht entgehen lassen!“

„Ja, absolut. Aber wenn Sie mich so fragen, handelt es sich ja um eine Studienreise. Also, da kann man doch Studien kennenlernen und erklärt bekommen.“ – „Ich verstehe nicht recht, welche Studien meinen Sie konkret?“

„Ja, lesen Sie denn keine Zeitung? Ich spreche von der Pisa-Studie, dieser Erhebung von Lernerfolgen der Kinder. Das ist doch eine Studie, und die würde mich mir gerne vor Ort genauer ansehen, erläutert bekommen mit allen möglichen Informationen von Insidern. Das ist der Sinn der Sache.“

Räuspern, kurzes Luftholen. „Ich möchte es Ihnen mal so beschreiben. Eine Reise nach Pisa ist ein besonderes Erlebnis, das wir daneben auch mit diversen Zusatzangeboten weiter ausbauen können. Aber die Pisa-Studie werden Sie dort nicht finden.“

„Warum nicht, die ist doch veröffentlicht oder gibt es da irgendwelche Geheimnisse? Verschwörungen vielleicht oder Klüngel wie beim Eurovision Song Contest?“

„Aber nein“, sie hat sich wieder gefangen, aber sie ist jetzt vorsichtig, ob und was sie mir verkaufen kann, „es ist nur so, dass sie nichts mit der Stadt Pisa zu tun hat. Die Abkürzung steht für irgendwas mit Internationaler Schülerbewertung. Warten Sie, ich schaue mal nach, ob ich Informationen finde…“ Einen Moment später: „Hatte ich doch richtig in Erinnerung, die Studie kommt von der OECD und die hat Ihren Sitz in Paris. Wie wäre es mit Paris? Savoir vivre, lebendig, der Nabel der Kultur Frankreichs. Wie hört sich das an?“

"Ein wenig enttäuscht bin ich schon, ich hatte mich auf Italien eingestellt, da spreche ich auch ein wenig die Sprache und war auch schon mal dort, damals als Student in Mailand. Ja, also Paris hört sich auch ganz gut an, aber das muss ich mir noch mal überlegen. Sind Sie ganz sicher, dass die Studie nicht doch aus Pisa kommt?“

„Ja, leider. Aber glauben Sie mir, gegen Paris ist Pisa nur ein laues Lüftchen, die Anfahrt nach Paris wäre viel kürzer und auf dem Weg könnte ich Ihnen eine grandiose Wellness-Oase für Ihre Frau in der Nähe von Saarbrücken empfehlen.“

„Hm“, mache ich, wenig überzeugt, „ich will es mir mal durch den Kopf gehen lassen. Pisa wäre ein Traum gewesen, mit dem Gedanken an Paris muss ich mich erst mal anfreunden. Aber vielen Dank für das freundliche Gespräch, vielleicht melde ich mich in den nächsten Tagen noch einmal.“

Ihre Enttäuschung kann die Frau nicht ganz verbergen, wünscht mir aber noch einen schönen Tag und würde sich freuen, wenn ich mich wieder melde. Und das mit Paris – ganz ehrlich – das sollte ich mir noch mal durch den Kopf gehen lassen. 

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