24 April 2026

Einmal das Übliche, bitte!

Verlängerte Wochenenden laden dazu ein, eine neue Gegend oder Stadt zu erkunden. Mal ist es eine Metropole, mal ein urbaner Bereich, den ich ein wenig kennenlernen möchte. Fotopirsch ist dann angesagt, Flanieren über die Fußgängerzone, durch Gässchen, verstohlener Blick in Hinterhöfe.

Und dann die Nagelprobe. Ein Restaurantbesuch, neugierig auf andere Küchenangebote, anderes Ambiente oder auch andere Zubereitung. Wir sitzen am Tisch, die Bedienung hat die Speisekarte gebracht, noch mal über den Tisch gewischt und das Besteck zurechtgerückt. Ohne das Essensangebot genauer zu betrachten winke ich die Angestellte heran.

Einmal das Übliche bitte
„Einmal das Übliche bitte. Auch für meine Frau.“ Die Bedienung sieht mich an, grübelt und sucht offensichtlich in ihrem Gedächtnis, was sie für mich in der Küche ordern soll. „Es tut mir leid, ich kann mich nicht erinnern, was Sie sonst bestellen. Vielleicht hat eine Kollegin Sie bedient?“

„Ach herrje“, seufze ich. „Das ist ja wirklich ein wenig enttäuschend. Als regelmäßiger Gast weiß ich Ihre Küche zu schätzen, aber mit dem Service hapert es ein wenig. Dann nehmen Sie erst mal die Getränke auf und dann schicken Sie Ihre Kollegin, die hilft uns hoffentlich in gewohnter Qualität weiter.“

Die junge Frau bringt Wasser und Wein, dann: „Meine Kollegin ist heute leider nicht da, aber vielleicht können Sie mir einfach das gewünschte Menü von der Karte nennen, gerne gebe ich es dann bevorzugt an die Küche weiter.“

„Liebling“, sagt meine Frau, „Liebling, das junge Ding tut was sie kann. Ist halt heute nicht ganz wie sonst. Aber sie kann doch einen ‚Gruß aus der Küche‘ bringen, während wir auf das Menü warten.“ – „Ja“, wende ich mich einlenkend zu ihr, „so können wir es machen.“ Und weiter zur Bedienung: „Bitte wie üblich eine Kleinigkeit aufs Haus vorneweg und dann bringen Sie noch mal die Karte. Oder besser noch: Haben Sie eine Empfehlung für uns?“

„Von unserer Tageskarte kann ich Ihnen heute…“ – „Nein, stopp!“ unterbreche ich sie. Nicht die Tageskarte, da haben wir schlechte Erfahrungen gemacht. Irgendwelche Mahlzeiten, die sonst nicht mehr rausgegeben werden können zu überhöhten Preisen. Aber die Masche machen wir nicht mit.“

Unsere Bedienung ringt nach Fassung. „Dann sollten Sie unser Rinderfilet auf Brokkoli in einer leichten Rotweinsauce mit getrüffelten Kartoffeln nehmen.“ – „Um Gottes Willen“, meine Frau schaltet sich ein, „nichts mit Trüffeln. Und überhaupt, dunkles Fleisch ist für den Cholesterinwert absolut schlecht. Denken Sie doch auch mal an die Gesundheit Ihrer Gäste.“

„Fisch“, haucht das Mädchen, „dann sollten Sie unseren Heilbutt probieren. Er wird mit einer Mousse von Rote Beete serviert, Zitronenreis umlegt mit Anisdip.“ – „Heilbutt?“ stöhnt meine Frau, „Heilbutt ist wegen Überfischung stark gefährdet. Sagen Sie, das ist ja alles ein wenig kopflos hier. Ist Nachhaltigkeit denn überhaupt kein Thema?“

 „Das kriegen wir gerettet“, sage ich beschwichtigend, und an die Bedienung gewendet: „Wenn Sie die Rote Beete gegen Prinzessbohnen tauschen, anstelle des Heilbutts können wir Dorsch nehmen. Wobei ich dann Polenta vorziehen würde.“ Zu meiner Frau: „Schatz, was meinst du?“ 

„Wir können es probieren.“ Meine Frau ist jetzt kurz angebunden, demonstriert ihre Unzufriedenheit mit Service, Komposition und Beratung. „Bringen Sie erst mal die amuse gueule. Und den Wein. Gerne auch schnell. Sagen Sie, ist der Chef heute eigentlich auch nicht da?“

Die Bedienung zuckt zusammen, versichert, alles zügig und zu unserer Zufriedenheit in Auftrag zu geben. Tatsächlich kommt nach wenigen Augenblicken ein geradezu üppiger Vorspeisenteller aus verschiedenen Tapas und Brotsorten. Der Wein ist prima, wir lassen es uns gutgehen.

Dann der Hauptgang. Liebevoll ist der Dorsch auf den Prinzessbohnen angerichtet, flankieren Röschen aus Polenta den See aus Anisdip. Wir schlagen zu, lassen den Fisch auf der Zunge zergehen, befeuchten den Gaumen mit dem Wein und unterbrechen das Geschmackserlebnis nur mit kurzen Ausflügen in den Brotkorb.

Die Mahlzeit ist fortgeschritten, da winke ich unsere Bedienung heran. „Die Küche hat sich Mühe gegeben, wenn Sie wissen, was ich damit sagen will. Mühe geben ist gut, aber gelungen ist etwas anderes. Wir verzichten auf diesen Gang, Sie können abräumen. Wir gehen direkt zum Kaffee mit diesen Törtchen aufs Haus über, die der Chef uns sonst kredenzt.“

Diesmal hat sie mich sofort verstanden, mit wenigen Handgriffen ist der Tisch leer, der Kaffee steht da, vor jedem von uns ein Törtchen und ohne weitere Anforderung auch die Rechnung. Gott sei Dank muss ich nicht diskutieren, dass sie sich schon glücklich schätzen können, dass ich immerhin den halbausgetrunkenen Wein bezahle. Und in einer Geste der Großzügigkeit auch den Kaffee übernehme.

„Siehst du“, sage ich zu meiner Frau im Hinausgehen, „das ist mal wieder ein Beispiel für gehobene Gastronomie mit Potential. Wenn sie nur nicht an der falschen Stelle sparen würden.“

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10 April 2026

Express-Kasse

Der Einkaufswagen im Rewe ist ziemlich klein, regelmäßig gerate ich an die Grenze seines Fassungsvermögens. Mit sperrigen Paketen wie Küchenrollen, Toilettenpapier und einem Träger Tetrapack ist schon ein merklicher Teil des Platzes verbraucht.

Und dann natürlich noch die restlichen Kleinigkeiten, Obst, Gemüse, Backwaren und Gewürze. Hoch beladen lasse ich mich wieder langsam in Richtung Kassenbereich treiben. Zu meinem Unmut bin ich in die Rushhour geraten, vor den normalen Kassen sind lange Schlangen. Ich laufe auf die Kasse mit der kürzesten Wartereihe zu und freue mich, dass es zügig voran geht.

Express-Kasse
Meine Artikel sind zum größten Teil schon auf dem Band, als mich die Kassiererin anspricht. „Das ist die Express-Kasse, maximal zehn Artikel.“ – „Ja“, sage ich und belade abschließend das Transportband. – „Maximal zehn Artikel“, jetzt schon lauter. – „Ja“, sage ich. „Relativ zu welcher Dimension gilt das Limit?“

Die Kassiererin versteht mich nicht, beharrt auf ihrer Standardaussage mit der Begrenzung der Anzahl. „Sind es die Artikel pro Bandbeladung? Oder pro Minute, pro Zahlvorgang?“ will ich wissen. „Natürlich pro Kunde. Und das sind doch viel mehr als zehn Teile, also bitte nehmen Sie eine der anderen Kassen.“ 

„Oh.“ Ich schaue mich um, hinter mir eine Frau mit zwei Magermilchjoghurt, dahinter ein Junge mit einer Packung Kaugummi, dann wieder ein Einkaufswagen mit zwei Packungen Taschentüchern, insgesamt 60 Packungen, das sind 600 Tempos.

„Die Tempos da hinten, zählen die als 600 Stück, als 60 Teile, 2 Artikel oder 1 Bezahlvorgang?“ bohre ich bei meiner Kassiererin nach. Sie ist sichtlich genervt, die Kunden werden unruhig, weil es nicht vorangeht. „Ach“, sage ich leicht dahin, „wenn Sie in Ihrer Kompetenz überfordert sind, dann lassen Sie doch den Geschäftsführer kommen. Der kann das bestimmt besser beurteilen.“

„Der Einkaufswagen ist einfach zu voll. Es ist eine Expresskasse, es soll zügig gehen und ist für die Kunden, die nur einen kleinen Einkauf haben. Für Standardkunden sind die anderen Kassen da.“ – „Ich bin kein Standardkunde, ich bin Stammkunde bei Rewe. Genaugenommen bin ich sogar mehrere Stammkunden.“

„Das verstehe ich nicht.“ – „Ich kaufe nicht nur für mich ein. Auch für meine Frau, meine Tochter, meine Schwiegermutter, meinen Nachbarn und hier hinten auf dem Band sehen Sie auch Leckerli für den Hund meiner Tochter. Also bin ich sechs Stammkunden. Und wenn Sie darauf bestehen, bezahle ich auch getrennt für jeden dieser Stammkunden, wenn Sie mir die Punkte alle auf mein Einkaufskonto gutschreiben. Das sind dann weniger als die albernen zehn Artikel pro Kunde, aber ich kann Ihnen versichern, dass es länger dauert.“

Die Frau stöhnt auf. „Gut, gut“, mault sie, „lassen Sie die Artikel auf dem Band, zahlen Sie alles zusammen, aber das nächste Mal gehen Sie zu einer Standardkasse.“ – „Ich will es Ihnen mal nachsehen, dass Sie so lange brauchen, um einen Stammkunden angemessen zu bedienen. Und auch Ihr impertinentes Beharren auf Standardkassen lassen wir für heute mal auf sich beruhen.“

An ihren Augen sehe ich, dass sie mit dem Wort ‚impertinent‘ nichts anfangen kann. Aber jetzt schnappt sie sich mit flinken Fingern meine eingekaufte Ware, die das gesamte Kassenband belegt und zieht sie im Eiltempo am Scanner vorbei. Express-Kasse eben.

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03 April 2026

Optimismus durch den Karfreitag

Endpunkt eines Niedergangs. Vom gefeierten Star über Verfolgung, Verrat und Verurteilung bis zum Tode. Wir gedenken am heutigen Karfreitag dem Meilenstein in der Geschichte von Jesus Christus, an dem sein menschliches Leben zu Ende ging. Grund für Trauer also, in der christlichen Tradition entsprechend als Gedenktag mit gedeckter Stimmung begangen.

Aber ist das denn überhaupt passend? Nach diesem Tiefpunkt des Verlaufes kann es ja nur noch aufwärts gehen. Was die Bibel ja auch ausführlich berichtet. Und dieses Aufwärtsgehen ist ein positiver Ausblick auf die Zukunft, also ein Grund für Optimismus.

Optimismus durch den Karfreitag

Damit ergibt sich, dass Karfreitag weniger ein Trauertag ist, als ein Feiertag des Optimismus. Wenn man vermeintlich die Talsohle erreicht hat, dann ist Vorfreude auf einen Trend angesagt, der nur nach oben zeigen kann. Und damit ist der Karfreitag dann auch das Gegenteil der Depression, die viele Prominente mit Sorgen vor dem Abstieg befallen. „Hurra!“, möchte man rufen, „es geht nun wieder bergauf. Und ich bin dabei!“

Egal, ob wir uns die angeschlagene wirtschaftliche Entwicklung anschauen, ob wir die steil ansteigenden Lebenshaltungskosten betrachten, voller Entsetzen zum Iran und nach Amerika blicken: Je schlimmer es wird, desto größer ist die Chance, dass es mit einer Aufbruchstimmung wieder besser wird. Die Trümmerfrauen als Basis für das deutsche Wirtschaftswachstum sind nur ein Beispiel dafür, dass ein Wiederaufbau aus kaum fassbar desolater Lage nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich ist.

Ob aus unserer derzeitigen Lage eine Erfolgsgeschichte wie nach dem letzten Weltkrieg wird oder ob wir die über Jahrtausende treibende religiöse Kraft des Christentums in modernem Gewand wiederholen können ist nicht absehbar. Aber dass wir genau jetzt die Chance dazu haben, das steht außer Zweifel.

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01 April 2026

Demokratie-Kreis in der Kreis-Demokratie

Die Kommunalwahl vom 15.03.26 wird jetzt in ersten Gesprächen für die Bürgerinnen und Bürger in konkrete Maßnahmen umgesetzt. Wie vor einigen Tagen bekannt wurde, haben die Parteien schon während des Wahlkampfes erste Sondierungsgespräche geführt. Dabei ist ein Ansatz entwickelt worden, der zunächst im Rheingau-Taunus-Kreis pilotiert und später auf weitere Kreise ausgedehnt werden soll.

In einem bislang geheimen Positionspapier „Demokratie-Kreis in der Kreis-Demokratie“ stellen die Parteien fest, dass eine Trennung in seitlich abgegrenzte Fraktionen heute keinen Sinn mehr macht. Da es einen Überlapp der Wahlkampfthemen vom linken Spektrum mit Ansätzen der rechten Seite gibt, wird hier das Modell eines Kreises angestrebt. In der Praxis bedeutet das, dass die AfD an die Linke anstößt und so den Kreis schließt.

Demokratie-Kreis in der Kreis-Demokratie
Der Ansatz findet parteiübergreifend viel Zustimmung. „Wir können unsere Kräfte bündeln, den Wählerauftrag erfüllen und den Rheingau-Taunus-Kreis weiterentwickeln, ohne uns in Diskussionen über links oder rechts zu verzetteln“, wird ein Politiker zitiert.

Tatsächlich werden der Initiative große Erfolgsaussichten eingeräumt. Die Gemeinde Niedernhausen war an den vertraulichen Vorbereitungen beteiligt und will sich am heutigen ersten April zu ersten konkreten Maßnahmen äußern.

Wie unser Korrespondent aus der Gemeindevertretung vorab erfuhr, soll in einem ersten Schritt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstärkt umgesetzt werden. Die Bürgermeisterin erhält eine Stabstelle, in der die Gleichstellungsbeauftragte neben beratender auch ordnungsgebende und überwachende Funktion hat. Gemeinderat und Ordnungsamt werden ihr in AGG-Themen unterstellt.

Vorbereitungen wurden bereits getroffen, um Geschlechterquoten für Straßennamen einzuführen. Im Sinne des AGG muss jede Straße abwechselnd Frau / Mann / neutral benannt werden. Und auch im Rathaus hat das AGG konkrete Konsequenzen, so sollen die Bürostühle ausgetauscht und nach Geschlecht, Alter, Haarfarbe ausgewählt werden, damit niemand bevorzugt wird.

Für viele Bürger relevant ist die Gleichbehandlungsampel für Hunde: Hunde jeder Größe dürfen gleich lang Gassi gehen. Und wer das Rathaus besucht wird die AGG-konformen Türöffnungszeiten bemerken, nach denen Türen zeitlich wechselnd im Zieh- und Drückmodus geöffnet werden müssen. Die Gleichstellungsbeauftragte für Zugänge ist für die Überwachung zuständig und kann bei Verdacht auf Benachteiligung angesprochen werden.

Besonderes Augenmerk liegt auf der einzuführenden Verordnung für Diskriminierungsverhinderung in Konsumbereichen. „Diese Verordnung wird noch sehr kontrovers diskutiert, aber wir wollen hier eine umsetzbare Regelung, die die Entwicklung unserer Gesellschaft widerspiegelt“, so der Vertreter einer großen Fraktion.

Hinter der Verordnung verbergen sich unter anderem Regelungen für die Reihenfolge an der Kasse im Supermarkt oder beim Bäcker. „Es kann nicht sein, dass wir im Jahr 2026 so unaufmerksam mit der Gleichbehandlung von Männern und Frauen, Erwachsenen und Kindern, Rentnern und Berufstätigen oder auch intelligenten und dummen Menschen umgehen. Klare Regelungen für die Reihenfolge beim Abkassieren nach einem rotierenden Fairness-System wäre aus unserer Sicht eine Lösung, die sich in der Praxis leicht einführen und überwachen lässt.“

An welchen weiteren Punkten der neue Ansatz „Demokratie-Kreis in der Kreis-Demokratie“ sich etablieren wird ist noch unklar. Verfolgen Sie die weiteren Mitteilungen in der örtlichen Presse und in den Sozialen Medien in den Tagen nach dem ersten April.

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