In der Serie "Eckhard ruft an" nehme ich meine verschiedenen Gesprächspartner auf den Arm. Meist haben sie Humor, aber manchmal auch gar kein Verständnis für meine guten Ideen und ungewöhnlichen Fragen.
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Immer wieder lese ich davon, ich soll doch bitte eine Patenschaft für ein Tier übernehmen. Gerne im örtlichen Tierheim, aber natürlich auch im Zoo, wo ich gegen Zahlung auch den Namen des gesponsorten Tieres wählen oder die Kosten für Futter und Pflege übernehmen kann.
Ich rufe beim Zoo an, in der Verwaltung, und möchte dort meine Vorstellung vom Deal anbringen. „Guten Tag“, sage ich freundlich, „bin ich mit der Verwaltung verbunden?“
Räuspern, dann: „Auch Ihnen einen guten Tag. Sie sind mit der Zoodirektion verbunden. Mein Name ist Asmus und ich organisiere den Futter- und Pflegebetrieb. Wenn es um Eintrittspreise oder Führungen geht sind Sie bei mir allerdings nicht richtig, da kann ich Ihnen gerne die Durchwahl geben.“
„Nein, nein, ich möchte gar nicht in den Zoo kommen, brauche auch keine Führung. Es geht mir mehr um so eine Art Patenschaft. Das könnte doch in Ihren Aufgabenbereich fallen?“ – „Ja“, lässt mich Herr Asmus wissen, „Patenschaften gehören auch in das Resort Futter und Pflege. Und sie sind eine gute Sache, denn einerseits können Sie mit Ihrem Geld etwas Gutes tun und gleichzeitig gibt es ja ein kleines Dankeschön zurück, je nach Tier entweder als Option zur Namensgebung oder regelmäßige Besuche, Streichelstunden oder Vergünstigungen an der Kasse. Haben Sie an ein bestimmtes Tier gedacht? Bei den Steppenantilopen gibt es Nachwuchs, da sind wir für Spenden und Patenschaften sehr dankbar.“
„Nun ja, also Steppenantilopen hört sich gut an. Aber ich hatte mehr an einen Löwen gedacht. Sie haben doch auch Löwen, oder?“ – „Selbstverständlich, wir haben gerade unser Löwenareal neu gestaltet. Allerdings gibt es da nach meinen Unterlagen gerade keine freie Patenschaft. Kann ich Ihnen vielleicht einen anderen exotischen Großsäuger anbieten?“
„Nein, Danke. Im Grunde geht es mir auch nicht darum, einem Löwen einen Namen zu geben, ihm das Futter zu spendieren oder Besuchszeiten festzulegen. Vielmehr möchte ich ihn für eine Woche ausleihen. Wissen Sie, wir sind ein paar Tage in Urlaub und unsere Alarmanlage ist defekt. Ein Nachbar schaut ohnehin nach den Blumen und er könnte nach Einweisung auch den Löwen füttern. Oder kann ich das als Dienstleistung dazubuchen?“
„Verstehe ich richtig, dass Sie den Löwen bei sich zu Hause unterbringen wollen, noch dazu für mehrere Tage und ohne sicherheitsgeprüfte Umzäunung? Und ein Nachbar ohne Pflegeerfahrung soll das Raubtier füttern?“
„Nun regen Sie sich mal nicht auf. Mein Nachbar hat selbst Katzen. Gut, die sind ein wenig kleiner als der Löwe, aber die sind doch grundsätzlich miteinander verwandt. Also, da kennt er sich schon aus. Und ich würde auch einen Elektrozaun von einem Freund ausleihen, den er normalerweise um seinen Hühnerhof aufgestellt hat.“
„Das ist ja die verrückteste Idee, die ich je gehört habe. Löwen sind Wildkatzen, ihr Nachbar kennt Hauskatzen. Und ein Elektrozaun für Hühner reicht natürlich überhaupt nicht, um den Löwen in seinem Terrain einzusperren. Haben Sie sich mal die Schutzzäune angesehen, die wir hier im Zoo haben und die von TÜV abgenommen werden?“
„Gut, gut, dann müssen wir über den Zaun noch mal nachdenken. Oder über den Löwen, wir können ja alternativ auch auf einen Leoparden oder einen Tiger ausweichen. Was halten Sie von einem Tiger, haben Sie vielleicht auch weiße Tiger? Die würden perfekt zu meinem Haus passen. Und wären vom Design her…“
„Nein! Ja, wir haben auch weiße Tiger, aber die kommen genauso wenig zu Ihnen wie ein Löwe oder ein Leopard oder was weiß ich sonst noch für Raubkatzen. Wie stellen Sie sich denn vor, wie das gehen soll? Wenn Sie die Tiere sehen wollen kommen Sie vorbei, aber die bleiben hier im Käfig und gehören nicht in die Hände von Laien und der Transport und die Fütterung und, und, und…“ (Jetzt fängt er langsam an, nach Luft zu schnappen, ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit.)
„Sie sind zwar nicht besonders geschäftstüchtig, aber na gut, dann eben kein Löwe. Dann muss ich halt die Alarmanlage reparieren lassen, alles auf Ihre Verantwortung, dass es noch vor der Abreise klappt. Wollen Sie es sich nicht doch noch mal überlegen? Es wäre doch ein Top-Deal, wie Donald Trump sagen würde.“
Ich kann geradezu hören, dass er in seinem Schreibtischstuhl zusammengesunken ist. „Nein“, flüstert er in den Hörer, „ich will es mir nicht noch mal überlegen. Auf Wiederhören.“
„Gott“, denke ich, „er verpasst das Geschäft seines Lebens. Aber ich will es ihm nachsehen – jeder ist seines Glückes Schmied.“
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