Im Rahmen der Veranstaltung "Ein Sommergarten voller Kunst" haben wir eine Bilderreise entlang einiger Titel von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gemacht. Als Mussorgsky diese Werke komponierte, ließ er sich von den Bildern seines Freundes Viktor Hartmann inspirieren. Aus Gemälden wurden Klänge. Beim "Sommergarten voller Kunst" haben wir den umgekehrten Weg eingeschlagen.
Wir haben ausgewählte Werke von Sandra Gleitsmann den musikalischen Bildern Mussorgskys gegenüber gestellt und dazu eingeladen, selbst Verbindungen zu entdecken – manchmal offensichtlich, manchmal überraschend, manchmal vielleicht ganz persönlich.
Das Bild: Treppenschritte
Bemerkenswert ist dabei, dass das Bild unsere Aufmerksamkeit nicht auf ein Ziel lenkt. Es interessiert sich nicht für den Ort, an dem die Bewegung endet, sondern für die Bewegung selbst.
Die mehrfach dargestellte Figur erinnert an die frühen Chronofotografien von Étienne-Jules Marey oder Eadweard Muybridge, bei denen einzelne Phasen einer Bewegung gleichzeitig sichtbar werden. Die Treppe ist dabei weniger das eigentliche Motiv als vielmehr das Gerüst, an dem sich diese Bewegung entfaltet.
Dadurch entsteht eine interessante Verschiebung unserer Wahrnehmung. Normalerweise erleben wir Zeit als Abfolge von Augenblicken. Hier scheinen mehrere Momente zugleich präsent zu sein. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich.
Das Bild thematisiert damit nicht nur Bewegung, sondern auch Identität.
Wer ist die dargestellte Person?
Die Figur am Anfang der Treppe?
Die in der Mitte?
Oder die am Ende?
Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Frage des Bildes: Ob wir überhaupt jemals dieselben bleiben.
Jeder Schritt verändert unsere Perspektive. Jede Erfahrung hinterlässt Spuren. Und doch erleben wir uns selbst als eine zusammenhängende Person.
Der Abstieg kann als innerer Rückzug gelesen werden. Ebenso aber als nüchterne Beobachtung von Rhythmus, Wiederholung und Veränderung.
Gerade diese Offenheit macht den Reiz des Werkes aus.
Es gibt keine eindeutige Antwort.
Stattdessen lädt uns das Bild dazu ein, über Zeit, Bewegung und Identität nachzudenken.
Wer waren wir einen Schritt zuvor?
Und wer werden wir nach dem nächsten sein?
________________________________________
Die Musik: Promenade
Für die Verbindung zur „Promenade“ ist das ein schöner Ausgangspunkt.
Auch Mussorgskys Musik erzählt von Bewegung.
Sie beschreibt keinen bestimmten Ort, sondern einen Menschen auf dem Weg.
Als Mussorgsky seine „Bilder einer Ausstellung“ komponierte, stellte er jedem neuen Eindruck eine Promenade voran, die beschreibt, wie er zwischen den Bildern umherwandert.
Von Bild zu Bild verändert sich der Blick des Betrachters.
Und mit jedem Schritt entsteht eine neue Perspektive.
So beginnt auch unsere Bilderreise mit einem Menschen in Bewegung.
________________________________________
Der Klang: Bilder einer Ausstellung
*
Abonniere den Kanal Eckhards Blog By Dr.-G auf WhatsApp
[Andere Blogs: Interdisziplinäre Gedanken - Dienstliche Glossen]






