By Dr.-G: Feingeistiges
Feingeistiges am Freitag: Prosa, Lyrik, Kürzestgeschichten, Gedanken, aktuelle Themen, zeitlose Texte.
14 August 2026
Du bist so süß
07 August 2026
Bilderreise Teil 6: Promenade (Reprise)
Das Bild: Eine leere Leinwand
Mit den Treppenschritten begann eine Bewegung durch Zeit und Identität. Im Maskenspiel begegneten wir den Rollen, die wir übernehmen, und der Frage nach dem, was hinter ihnen verborgen bleibt. Innenwelten führte uns in die Nähe zweier Menschen und in die Verletzlichkeit jeder echten Begegnung. In der Zarten Erinnerung wurde spürbar, wie Vergangenheit in uns weiterlebt, selbst wenn ihre Konturen längst verblasst sind. Und die Blüte in Fragmenten erinnerte uns daran, dass sich das Ganze oft erst aus vielen einzelnen Teilen zusammensetzt.
Vielleicht war dies weniger eine Ausstellung von Bildern als eine Reise durch Erfahrungen, die uns alle verbinden.
Nun steht die Staffelei leer.
Dort, wo eben noch Formen, Farben und Geschichten sichtbar waren, bleibt eine offene Fläche zurück. Doch vielleicht bedeutet diese Leere nicht, dass etwas fehlt. Vielleicht ist sie vielmehr ein Raum für das, was erst jetzt entstehen kann.
Denn was wir aus Kunst mitnehmen, entsteht selten im Augenblick des Betrachtens. Oft beginnt ihre eigentliche Wirkung erst später – in einer Erinnerung, in einem Gedanken, in einem Gespräch auf dem Heimweg.
Vielleicht kann dieses Bild nicht gemalt werden.
Vielleicht entsteht es erst in der Erinnerung eines jeden Einzelnen.
In den Gedanken, die wir mitnehmen.
In den Bildern, die nachklingen.
Und in den Wegen, die wir von hier aus weitergehen.
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Mussorgsky: Promenade (Reprise)
Als Modest Mussorgsky seine Bilder einer Ausstellung komponierte, kehrte er immer wieder zur Promenade zurück.Sie verbindet die einzelnen Bilder zu einem Ganzen.
Doch mit jedem Bild verändert sie sich: Mal neugierig, mal eilig, mal unschlüssig, mal voll düsterer Gedanken.
Derselbe Weg wird erneut beschritten – aber der Mensch, der ihn geht, ist nicht mehr derselbe.
So schließt sich heute der Kreis unserer Bilderreise.
Die erste Promenade war ein Aufbruch.
Die letzte Promenade ist eine Rückkehr.
Nicht zurück an den Ausgangspunkt, sondern zurück zu uns selbst – bereichert um die Bilder, die wir gesehen, die Gedanken, die wir geteilt, und die Musik, die wir gehört haben.
Die Leinwand bleibt leer.
Der Klang: Promenade (Reprise)
31 Juli 2026
Bilderreise - Teil 5: Ballett der unausgeschlüpften Küken
Das Bild: Blüte in Fragmenten

Auf den ersten Blick sehen wir eine Blume.
Ein Motiv, das in der Kunst seit Jahrhunderten für Schönheit, Wachstum und Lebenskraft steht.
Doch diese Blüte entfaltet sich nicht in weichen natürlichen Formen. Sie setzt sich aus unzähligen Facetten zusammen, aus Fragmenten, die sich zu einem Ganzen fügen und zugleich ihre Eigenständigkeit bewahren.
Gerade darin liegt für mich die besondere Spannung dieses Bildes.
Die Blume erscheint lebendig und kraftvoll, und doch wirkt sie, als wäre sie in ihre Einzelteile zerlegt worden. Das Vertraute bleibt erkennbar, aber es hat seine Selbstverständlichkeit verloren.
Vielleicht erzählt das Bild damit auch etwas über unsere Zeit.
Wir erleben die Welt selten als geschlossenes Ganzes. Informationen, Bilder, Erinnerungen und Erfahrungen erreichen uns in vielen einzelnen Fragmenten. Oft versuchen wir erst im Nachhinein, daraus einen Zusammenhang zu formen.
Und doch entsteht aus diesen Bruchstücken etwas Neues.
So wie aus den vielen polygonalen Flächen eine Blüte entsteht, entsteht auch aus den einzelnen Erfahrungen unseres Lebens etwas, das wir Identität nennen.
Das Bild bewegt sich zwischen Gegensätzen: zwischen Natürlichkeit und Konstruktion, zwischen Gefühl und Analyse, zwischen organischem Wachstum und geometrischer Ordnung.
Es entscheidet sich nicht für eine Seite.
Vielleicht liegt gerade darin seine Schönheit.
Denn das Leben selbst ist selten vollkommen und selten widerspruchsfrei.
Es besteht aus Fragmenten, die sich immer wieder neu zusammensetzen.
Und manchmal erkennen wir erst mit etwas Abstand, dass gerade diese Fragmente das Ganze ausmachen.
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Mussorgsky: Ballett der unausgeschlüpften Küken
Nach den stillen Erinnerungen des alten Schlosses führt uns Mussorgsky nun in eine ganz andere Welt.Sein „Ballett der unausgeschlüpften Küken“ entstand nach einem Bühnenentwurf für das Ballett „Trilby“ für Kinder in Kükenkostümen.
Die Musik ist leicht, verspielt und voller Bewegung.
Doch hinter ihrer Heiterkeit verbirgt sich ein Gedanke, der gut zu diesem Bild passt.
Die Küken sind noch nicht geschlüpft.
Sie befinden sich in einem Zustand des Werdens.
Ihre endgültige Gestalt ist noch nicht sichtbar.
Auch die Blüte vor uns erscheint nicht als vollkommene, abgeschlossene Form.
Sie setzt sich aus vielen einzelnen Teilen zusammen.
Und dennoch entsteht daraus etwas Lebendiges.
So erzählen Bild und Musik auf unterschiedliche Weise von Entwicklung und Entfaltung.
Von der Kraft des Lebens, die bereits spürbar ist, bevor sie ihre endgültige Form gefunden hat.
Der Klang: Ballett der unausgeschlüpften Küken
24 Juli 2026
Bilderreise - Teil 4: Das Alte Schloss
Das Bild: Zarte Erinnerung

Manche Bilder erzählen eine Geschichte. Andere wecken Erinnerungen, von denen wir vielleicht gar nicht wussten, dass wir sie noch in uns tragen.
„Zarte Erinnerung“ gehört für mich zu diesen Bildern.
Das Mädchen richtet seinen Blick nicht auf die Welt um sich herum. Es scheint vielmehr einem Gedanken nachzuhängen, der sich unserem Blick entzieht. Gerade dadurch entsteht eine besondere Nähe. Wir beobachten keine Handlung, kein Ereignis und keinen dramatischen Moment. Wir begegnen einer Stimmung.
Vielleicht kennen wir solche Augenblicke aus unserem eigenen Leben. Momente, in denen die Gegenwart für einen Augenblick stillzustehen scheint und etwas Vergangenes in uns auftaucht. Nicht als klare Erinnerung mit scharfen Konturen, sondern eher wie ein leiser Nachhall.
Erinnerungen verhalten sich selten wie Fotografien. Mit der Zeit verblassen Einzelheiten, während die Gefühle oft erstaunlich lebendig bleiben. Man erinnert sich nicht mehr an jedes Wort, nicht mehr an jeden Ort, aber an die Wärme eines Sommers, an einen Blick, an einen Augenblick des Glücks oder der Traurigkeit.
Vielleicht berührt uns dieses Bild gerade deshalb so unmittelbar. Es versucht nicht, etwas zu erklären. Es drängt sich nicht auf. Es lässt Raum für das, was jeder Betrachter selbst mitbringt.
Die Ruhe des Bildes erzählt von Unschuld, seine Sanftheit von Vergänglichkeit. Doch darin liegt nichts Bedrohliches. Im Gegenteil: Vielleicht werden manche Dinge gerade deshalb kostbar, weil sie nicht bleiben.
So wird „Zarte Erinnerung“ zu einem stillen Gedicht aus Licht und Schatten – und zu einer Einladung, den eigenen Erinnerungen für einen Moment zu begegnen.
Mussorgsky: Das Alte Schloss
Auch Mussorgskys nächstes Werk führt uns in eine Welt der Erinnerung.„Das Alte Schloss“ gehört zu den ruhigsten und poetischsten Stücken der gesamten Suite.
Die Musik entstand nach einer Zeichnung eines alten Schlosses.
Vor diesem Schloss steht ein Sänger, dessen Lied wie eine Stimme aus längst vergangener Zeit klingt.
Es geht dabei weniger um ein Gebäude als um eine Stimmung.
Um das Gefühl, dass Vergangenes plötzlich wieder gegenwärtig wird.
Darin begegnen sich Bild und Musik.
Beide laden uns ein, für einen Moment still zu werden.
Beide erzählen von der Schönheit dessen, was nicht festgehalten werden kann.
Der Klang: DasAlte Schloss
17 Juli 2026
Bilderreise - Teil 3: Samuel Goldenberg und Schmuÿle
Im Rahmen der Veranstaltung "Ein Sommergarten voller Kunst" haben wir eine Bilderreise entlang einiger Titel von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gemacht. Als Mussorgsky diese Werke komponierte, ließ er sich von den Bildern seines Freundes Viktor Hartmann inspirieren. Aus Gemälden wurden Klänge. Beim "Sommergarten voller Kunst" haben wir den umgekehrten Weg eingeschlagen.
Das Bild: Innenwelten (Duett)
„Innenwelten“ zeigt zwei Menschen in großer körperlicher
Nähe.
Und doch erzählt das Bild nicht von Harmonie allein.
Die beiden Figuren berühren sich, aber sie verschmelzen
nicht. Jede bleibt erkennbar als eigenes Wesen mit einer eigenen Geschichte,
einer eigenen Verletzlichkeit und einer eigenen inneren Welt.
Gerade darin liegt die besondere Spannung des Bildes.
Oft sprechen wir von Nähe, als wäre sie das Gegenteil von
Distanz. Doch jede Beziehung bewegt sich zwischen diesen beiden Polen. Wir
können einem Menschen sehr nahe sein und dennoch niemals vollständig wissen,
was in ihm vorgeht.
Die Künstlerin macht diesen Gedanken sichtbar.
Die Körper werden zu Leinwänden innerer Landschaften.
Farben, Formen und organische Strukturen scheinen Gefühle, Erinnerungen und
Erfahrungen anzudeuten, die sich nicht in Worte übersetzen lassen.
Gleichzeitig begegnen sich die beiden Figuren auf Augenhöhe.
Sie wirken verletzlich und stark zugleich.
Vielleicht erinnert uns das Bild daran, dass wahre Nähe
nicht bedeutet, den anderen vollständig zu verstehen.
Sondern anzuerkennen, dass in jedem Menschen ein Bereich
bleibt, der nur ihm selbst gehört.
So erzählt „Innenwelten“ nicht von Verschmelzung, sondern
von Begegnung.
Von zwei eigenständigen Welten, die sich für einen Moment berühren.
Mussorgsky: Samuel Goldenberg und Schmuÿle
Auch im nächsten Werk begegnen wir zwei Stimmen.
In Mussorgskys Musik treten Samuel Goldenberg und Schmuÿle
einander gegenüber.
Die beiden Figuren könnten unterschiedlicher kaum sein.
Die eine Stimme wirkt ruhig, kraftvoll und bestimmt.
Die andere erscheint lebhafter, fragender und unruhiger.
Doch die Musik lebt nicht vom Gegensatz allein.
Sie lebt vom Dialog.
Erst im Zusammenspiel entsteht das ganze Bild.
Darin liegt eine schöne Verbindung zu „Innenwelten“.
Auch hier geht es um zwei Individuen, die einander begegnen.
Um Nähe und Unterschied.
Um die Spannung zwischen Eigenständigkeit und Verbundenheit.
Der Klang: Samuel Goldenberg und Schmuÿle
10 Juli 2026
Bilderreise - Teil 2: Gnomus
Im Rahmen der Veranstaltung "Ein Sommergarten voller Kunst" haben wir eine Bilderreise entlang einiger Titel von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gemacht. Als Mussorgsky diese Werke komponierte, ließ er sich von den Bildern seines Freundes Viktor Hartmann inspirieren. Aus Gemälden wurden Klänge. Beim "Sommergarten voller Kunst" haben wir den umgekehrten Weg eingeschlagen.
Das Bild: Das Maskenspiel
„Das Maskenspiel“ handelt auf den ersten Blick von einer
Maske.
Doch je länger man das Bild betrachtet, desto deutlicher
wird, dass die eigentliche Frage nicht lautet, wer sich hinter der Maske
verbirgt, sondern warum wir überhaupt Masken tragen.
Die Maske wirkt zugleich schützend und verstörend. Sie
verdeckt das Gesicht, lenkt unseren Blick aber paradoxerweise erst recht auf
das, was verborgen bleibt.
Damit berührt das Bild eine sehr menschliche Erfahrung.
Schon früh lernen wir, unterschiedliche Rollen einzunehmen.
Wir verhalten uns anders als Kind, als Freund, als Partner, als Berufstätige.
Manche dieser Rollen geben uns Sicherheit. Andere engen uns ein. Wieder andere
übernehmen wir so selbstverständlich, dass wir sie kaum noch bemerken.
Das Bild macht diesen Widerspruch sichtbar.
Die Figur erscheint verletzlich und zugleich selbstbewusst.
Die feinen Stoffe, die Federn und die beinahe theatralische Inszenierung
verleihen ihr etwas Festliches. Doch die groben Nähte auf der Maske erzählen
eine andere Geschichte.
Sie wirken wie Spuren von Brüchen, Erfahrungen und
Verletzungen.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Spannung des Werkes:
Dass Identität nicht etwas Fertiges ist, das sich einfach
enthüllen lässt.
Sondern etwas, das entsteht, sich verändert und manchmal
auch mühsam zusammengesetzt werden muss.
So wird die Maske nicht nur zum Symbol des Verbergens.
Sie wird zugleich zum Symbol der Suche nach dem eigenen Ich.
Die Musik: Gnomus
Auch Mussorgskys „Gnomus“ begegnet uns nicht mit Klarheit.Die Figur des Gnoms wirkt rätselhaft, sprunghaft und schwer
zu greifen.
Mal erscheint sie verspielt.
Dann wieder unruhig oder sogar verstörend.
Ähnlich wie die Maske in diesem Bild zeigt auch die Musik
nicht alles auf den ersten Blick.
Sie lässt uns bewusst im Ungewissen.
Beide Werke spielen mit dem Verborgenen.
Mit dem, was wir zu erkennen glauben, und dem, was sich
unserem Blick entzieht.
Vielleicht liegt gerade darin ihre Verbindung:
Dass sie uns daran erinnern, wie vielschichtig Identität sein kann.
Der Klang: Bilder einer Ausstellung
03 Juli 2026
Bilderreise - Teil 1: Promenade
Im Rahmen der Veranstaltung "Ein Sommergarten voller Kunst" haben wir eine Bilderreise entlang einiger Titel von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gemacht. Als Mussorgsky diese Werke komponierte, ließ er sich von den Bildern seines Freundes Viktor Hartmann inspirieren. Aus Gemälden wurden Klänge. Beim "Sommergarten voller Kunst" haben wir den umgekehrten Weg eingeschlagen.
Das Bild: Treppenschritte
Die Musik: Promenade
Für die Verbindung zur „Promenade“ ist das ein schöner Ausgangspunkt.Auch Mussorgskys Musik erzählt von Bewegung.
Sie beschreibt keinen bestimmten Ort, sondern einen Menschen auf dem Weg.
Als Mussorgsky seine „Bilder einer Ausstellung“ komponierte, stellte er jedem neuen Eindruck eine Promenade voran, die beschreibt, wie er zwischen den Bildern umherwandert.
Von Bild zu Bild verändert sich der Blick des Betrachters.
Und mit jedem Schritt entsteht eine neue Perspektive.
So beginnt auch unsere Bilderreise mit einem Menschen in Bewegung.













