Der Einkaufswagen im Rewe ist ziemlich klein, regelmäßig gerate ich an die Grenze seines Fassungsvermögens. Mit sperrigen Paketen wie Küchenrollen, Toilettenpapier und einem Träger Tetrapack ist schon ein merklicher Teil des Platzes verbraucht.
Und dann natürlich noch die restlichen Kleinigkeiten, Obst, Gemüse, Backwaren und Gewürze. Hoch beladen lasse ich mich wieder langsam in Richtung Kassenbereich treiben. Zu meinem Unmut bin ich in die Rushhour geraten, vor den normalen Kassen sind lange Schlangen. Ich laufe auf die Kasse mit der kürzesten Wartereihe zu und freue mich, dass es zügig voran geht.
Meine Artikel sind zum größten Teil schon auf dem Band, als mich die Kassiererin anspricht. „Das ist die Express-Kasse, maximal zehn Artikel.“ – „Ja“, sage ich und belade abschließend das Transportband. – „Maximal zehn Artikel“, jetzt schon lauter. – „Ja“, sage ich. „Relativ zu welcher Dimension gilt das Limit?“
Die Kassiererin versteht mich nicht, beharrt auf ihrer Standardaussage mit der Begrenzung der Anzahl. „Sind es die Artikel pro Bandbeladung? Oder pro Minute, pro Zahlvorgang?“ will ich wissen. „Natürlich pro Kunde. Und das sind doch viel mehr als zehn Teile, also bitte nehmen Sie eine der anderen Kassen.“
„Oh.“ Ich schaue mich um, hinter mir eine Frau mit zwei Magermilchjoghurt, dahinter ein Junge mit einer Packung Kaugummi, dann wieder ein Einkaufswagen mit zwei Packungen Taschentüchern, insgesamt 60 Packungen, das sind 600 Tempos.
„Die Tempos da hinten, zählen die als 600 Stück, als 60 Teile, 2 Artikel oder 1 Bezahlvorgang?“ bohre ich bei meiner Kassiererin nach. Sie ist sichtlich genervt, die Kunden werden unruhig, weil es nicht vorangeht. „Ach“, sage ich leicht dahin, „wenn Sie in Ihrer Kompetenz überfordert sind, dann lassen Sie doch den Geschäftsführer kommen. Der kann das bestimmt besser beurteilen.“
„Der Einkaufswagen ist einfach zu voll. Es ist eine Expresskasse, es soll zügig gehen und ist für die Kunden, die nur einen kleinen Einkauf haben. Für Standardkunden sind die anderen Kassen da.“ – „Ich bin kein Standardkunde, ich bin Stammkunde bei Rewe. Genaugenommen bin ich sogar mehrere Stammkunden.“
„Das verstehe ich nicht.“ – „Ich kaufe nicht nur für mich ein. Auch für meine Frau, meine Tochter, meine Schwiegermutter, meinen Nachbarn und hier hinten auf dem Band sehen Sie auch Leckerli für den Hund meiner Tochter. Also bin ich sechs Stammkunden. Und wenn Sie darauf bestehen, bezahle ich auch getrennt für jeden dieser Stammkunden, wenn Sie mir die Punkte alle auf mein Einkaufskonto gutschreiben. Das sind dann weniger als die albernen zehn Artikel pro Kunde, aber ich kann Ihnen versichern, dass es länger dauert.“
Die Frau stöhnt auf. „Gut, gut“, mault sie, „lassen Sie die Artikel auf dem Band, zahlen Sie alles zusammen, aber das nächste Mal gehen Sie zu einer Standardkasse.“ – „Ich will es Ihnen mal nachsehen, dass Sie so lange brauchen, um einen Stammkunden angemessen zu bedienen. Und auch Ihr impertinentes Beharren auf Standardkassen lassen wir für heute mal auf sich beruhen.“
An ihren Augen sehe ich, dass sie mit dem Wort ‚impertinent‘ nichts anfangen kann. Aber jetzt schnappt sie sich mit flinken Fingern meine eingekaufte Ware, die das gesamte Kassenband belegt und zieht sie im Eiltempo am Scanner vorbei. Express-Kasse eben.
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