13 Februar 2026

Zu Besuch auf der Kunstmesse

Zu Besuch auf der Kunstmesse

Im ersten Moment denkt man beim Begriff "Kunstmesse" an Objekte und Exponate. Bilder, Skulpturen, Installationen, Interaktionen. Doch das ist ja nur das schmückende Beiwerk, es ist eben nicht die Kunst, sondern die Messe, die den Mittelpunkt bildet. Und das Zentrum einer Messe sind die Präsentation, Kommunikation und Menschen. Ja, warum solle man eine Kunstmesse veranstalten, wenn niemand hinginge? Nicht überraschend also ein buntes Portfolio von Personen, die an mir vorbeiziehen, die Stände bevölkern, in der Lounge sitzen.

Typ "Mein Mann hat Geld"
Wenig Ahnung von Kunst, aber hier können sie zeigen, dass sie alles kaufen könnten. Wenn sie nur wollten. Also sind alle Mitmenschen - vom Galeristen bis zum Servicepersonal - mehr oder weniger explizit gefordert, alles zu geben und so zuvorkommend wie möglich zu agieren. In Furcht vor entgangenem Geschäft ist eine gewisse Huldigung angemessen.

Typ "Kultur ist schick"
Eigentlich auch keine Ahnung von Kunst, aber als routinierte Besucher von Kunstveranstaltungen lassen sie an möglichst vielen Stellen ihre Erfahrung mit anderen Messen, Museen, Ausstellungen und Vorträgen durchblicken. Die Messe ist so wichtig wie das Glas Prosecco, das wie ein Accessoire durch die Hallen getragen wird.

Typ "Kunsthistoriker"
Um keine Antwort verlegen können sie zu jedem Werk irgendetwas erläutern. Mal bleiben sie bei der Beschreibung der verwendeten Farben, mal bei der historischen oder geografischen Einordnung der Werkerstellung oder nennen Referenzen zu bekannten oder unbekannten anderen Werken. Bis auf die inhaltliche Ebene dringen sie selten vor.

Typ "Erklärer"
Selbsternannte Pädagogen, die das Bild oder die Skulptur verstanden haben oder das zumindest von sich behaupten. Mal wird den (eigenen) Kindern etwas beigebracht, mal sind es andere Gäste, die mehr oder weniger ungefragt in Diskussionen zur Interpretation involviert werden.

Typ "Künstler"
Schon von weitem am unsteten Blick, der extravaganten Kleidung oder exaltierter Körpersprache zu erkennen. Sie sind sensibel, fühlen die Kunst und sind von einem dunklen Zwang beseelt, diese Gefühle, Schwingungen und transzendenten Elemente für Normalsterbliche zu transformieren. Stimmungsschwankungen zwischen depressiven Schüben und überdrehtem Aktionismus eingeschlossen.

Typ "Galerist"
Wie bei einem Scanner werden alle Passanten auf Zahlungsfähigkeit und Kaufwillen eingestuft. Im Grunde sind die Gegenstände völlig austauschbar, man muss sie nur den potentiellen Käufern schmackhaft machen und in wenigen Sätzen herausfinden, ob die Person am Stand Zeitverschwendung oder zukünftiger Kunde ist. In letzterem Fall unverzüglicher Wechsel in den Verkaufsmodus mit eloquentem Anpreisen der Ware.

Typ "Sammler"
Sie wirken absolut unauffällig, aber der exklusive Gürtel oder die unübersehbar handgefertigten Schuhe lassen aufmerken. Resistent gegen das Geschwätz der Verkäufer, meist gut über die Messe und die Aussteller informiert, bewegen sie sich zielstrebig durch die Hallen. Für sie ist die Messe ein großer Markt, bei dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen.

Typ "Unterhaltungssuchend"
Wo bekommt man einen chilligen Nachmittag für so wenig Geld? Und kann mit ein paar Fotos in der Instagram-Story auch noch seine Freunde beeindrucken. In den Gängen herumzuschlendern, aber auch nach dem Begleitangebot zu fragen und das Catering im Auge zu behalten steht im Mittelpunkt.

Typ "Bildungssuchend"
Sie sind Lehrer, waren mal Lehrer, wollten mal Lehrer werden. Und Kultur ist für sie Bildung, die sie in sich aufsaugen. Kataloge unter dem Arm, bewaffnet mit allen verfügbaren Unterlagen, Teilnehmer an allen angebotenen Führungen und eine Herausforderung für alle Guides, die mit gut recherchierten Fragen konfrontiert werden.

Typ "Ich bin das Ausstellungsstück"
Eine Kunstmesse ist eigentlich eine Bühne. Auf der sie sich ins Rampenlicht manövrieren, mit allen verfügbaren und akzeptablen Mitteln auf sich aufmerksam machen. Unter dem Deckmantel der Kunst darf die Kleidung auffällig sein, Schleppe oder absurd große Hüte sind genauso akzeptabel wie fortlaufendes Posieren für den mitgebrachten Fotografen.

Typ "Masse"
Sie sind da, weil sie nichts anderes vorhatten. Weil ein Freund ihnen den Tipp gegeben hat. Mit überraschtem Blick fragen sie sich, was an dem "horizontalen Meter" Kunst ist, wer denn so etwas kauft und welcher Tatort heute Abend im Fernsehen gezeigt wird. Die Aussteller ignorieren sie höflich, Messeveranstalter und Caterer lieben sie für ihren Beitrag zur Finanzierung.

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