Im Rahmen der Veranstaltung "Ein Sommergarten voller Kunst" haben wir eine Bilderreise entlang einiger Titel von Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gemacht. Als Mussorgsky diese Werke komponierte, ließ er sich von den Bildern seines Freundes Viktor Hartmann inspirieren. Aus Gemälden wurden Klänge. Beim "Sommergarten voller Kunst" haben wir den umgekehrten Weg eingeschlagen.
Das Bild: Das Maskenspiel
„Das Maskenspiel“ handelt auf den ersten Blick von einer
Maske.
Doch je länger man das Bild betrachtet, desto deutlicher
wird, dass die eigentliche Frage nicht lautet, wer sich hinter der Maske
verbirgt, sondern warum wir überhaupt Masken tragen.
Die Maske wirkt zugleich schützend und verstörend. Sie
verdeckt das Gesicht, lenkt unseren Blick aber paradoxerweise erst recht auf
das, was verborgen bleibt.
Damit berührt das Bild eine sehr menschliche Erfahrung.
Schon früh lernen wir, unterschiedliche Rollen einzunehmen.
Wir verhalten uns anders als Kind, als Freund, als Partner, als Berufstätige.
Manche dieser Rollen geben uns Sicherheit. Andere engen uns ein. Wieder andere
übernehmen wir so selbstverständlich, dass wir sie kaum noch bemerken.
Das Bild macht diesen Widerspruch sichtbar.
Die Figur erscheint verletzlich und zugleich selbstbewusst.
Die feinen Stoffe, die Federn und die beinahe theatralische Inszenierung
verleihen ihr etwas Festliches. Doch die groben Nähte auf der Maske erzählen
eine andere Geschichte.
Sie wirken wie Spuren von Brüchen, Erfahrungen und
Verletzungen.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Spannung des Werkes:
Dass Identität nicht etwas Fertiges ist, das sich einfach
enthüllen lässt.
Sondern etwas, das entsteht, sich verändert und manchmal
auch mühsam zusammengesetzt werden muss.
So wird die Maske nicht nur zum Symbol des Verbergens.
Sie wird zugleich zum Symbol der Suche nach dem eigenen Ich.
Die Musik: Gnomus
Auch Mussorgskys „Gnomus“ begegnet uns nicht mit Klarheit.Die Figur des Gnoms wirkt rätselhaft, sprunghaft und schwer
zu greifen.
Mal erscheint sie verspielt.
Dann wieder unruhig oder sogar verstörend.
Ähnlich wie die Maske in diesem Bild zeigt auch die Musik
nicht alles auf den ersten Blick.
Sie lässt uns bewusst im Ungewissen.
Beide Werke spielen mit dem Verborgenen.
Mit dem, was wir zu erkennen glauben, und dem, was sich
unserem Blick entzieht.
Vielleicht liegt gerade darin ihre Verbindung:
Dass sie uns daran erinnern, wie vielschichtig Identität sein kann.


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