Das ist also Weihnachten. Ich sitze in der Kirche, höre die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium.
„Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ Später geht ein Engel auf die Hirten im Feld zu und:
„Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren“ heißt es da.
Ich stutze, ist doch die Kernbotschaft die Verbindung der Geburt mit der Freude. Und ich denke an Elvis Presley:
A poor little baby child is born
In the ghetto
And his mama cries
'Cause if there's one thing that she don't need
It is another hungry mouth to feed“
Arme Verhältnisse, vielleicht in beiden Fällen nicht unbedingt zu ermitteln, wer der Vater ist. Und doch ist das Kind im einen Fall ein Heiland, im anderen Fall ein bedauernswerter Mensch, der in die schiefe Bahn geboren wird.
Die Geburt also als gemeinsame Startposition, doch schon gibt es die erste Weggabelung. Stolze Maria mit ihrem Josef oder aus Verzweiflung weinende Mutter. Himmlische Engel, lobpreisende Hirten oder Ghetto.
Und das ist ja nur die erste Momentaufnahme. Wie geht es dann weiter, das Umfeld und die Erziehung. Behütetes Heranwachsen oder aus purer Not heraus der Zwang zu Diebstahl und Kampf. Ein Weg zu Gottesnähe („Gottes Sohn“) oder Gottesferne.
An dieser Stelle wird es dann spannend, kommt die biblische Botschaft zum Tragen. Wie können wir die Entwicklung eines Menschenkindes begleiten, sind wir in Bethlehem oder in Chicago. Aber auch wir selbst, längst keine Kinder mehr: Wie eifern wir dem nach, der am Anfang schuf, ein aktives Leben.
Meine Gedanken kommen zurück in die Kirche, die Predigt beschäftigt sich nach den Worten eines Propheten aus einem anderen Blickwinkel mit der Weihnachtsgeschichte. Aber mir will die weinende Mutter mit ihrem verzweifelten jungen Sohn nicht aus dem Kopf, wie er auf der Straße liegt und stirbt.
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